12. Juni 2026
Stress ist kein psychisches Problem – Warum Joggen bei Dauerstress zu kurz greift
Wenn in unserem Alltag über Stress gesprochen wird, fällt oft ein Satz: „Das ist doch alles nur psychisch.“ Betroffene bekommen den Rat, sich „nicht so viel vorzunehmen“ oder die Dinge „gelassener zu sehen“. Doch diese Sichtweise greift fundamental zu kurz und wird der biologischen Realität nicht gerecht.
Stress ist kein rein mentales Phänomen. Er ist eine tiefgreifende biologische Kaskade, die Geist und Körper gleichermaßen vereinnahmt.
Die Biologie der Bedrohung: Wie das Nervensystem reagiert
Am Anfang jeder Stressreaktion steht eine Emotion – meistens Angst, Überforderung oder Wut. Unser Gehirn (genauer gesagt die Amygdala) bewertet eine Situation als Bedrohung und wirft augenblicklich den evolutionären Überlebensmodus an: Das sympathische Nervensystem wird aktiviert.
Innerhalb von Millisekunden bereitet sich der Körper auf das vor, was unsere Vorfahren das Überleben gesichert hat: Fight, Flight or Freeze (Kämpfen, Fliehen oder Erstarren).
- Die Herzfrequenz steigt, der Blutdruck schießt in die Höhe.
- Die Atmung verflacht, Muskeln spannen sich an.
- Gleichzeitig werden „unwichtige“ Systeme wie die Verdauung, das Immunsystem oder die rationale Denkfähigkeit im präfrontalen Kortex gedrosselt.
Dieser akute Teil des Stresses ist an sich eine geniale und nützliche Einrichtung unseres Körpers. Er mobilisiert Energie, um uns zu wehren, uns zu verteidigen oder vor einer realen Gefahr zu fliehen.
Wenn die Gefahr nie vorbeigeht: Der Wechsel zum Dauerstress
Das Problem moderner Belastungen: Der Säbelzahntiger ist weg, aber die Deadline, der anhaltende Konflikt im Team oder die permanente Erreichbarkeit bleiben. Es kommt zu krankhaftem Stress, wenn die gefühlte Gefahr nie vorbeigeht. Der Körper verpasst den Ausstieg und bleibt im Dauerstressmodus gefangen.
Biochemisch macht das einen gewaltigen Unterschied, den viele nicht kennen – und genau hier liegt die klassische Fehlbehandlung:
1. Die Adrenalin-Phase (Akutstress)
In den ersten Momenten regiert das Hormon Adrenalin. Es stellt kurzfristig Energie bereit. Das Gute daran: Dieser Adrenalin-Anteil lässt sich hervorragend durch körperliche Aktivität regulieren. Ein intensiver Lauf nach einem stressigen Meeting baut die körperliche Anspannung und das Adrenalin effektiv ab. Der Körper signalisiert dem Nervensystem: „Wir sind der Gefahr entflohen.“
2. Die Cortisol-Schleife (Dauerstress)
Hält die Belastung jedoch über Tage, Wochen oder Monate an, schaltet der Körper auf das Langzeit-Stresshormon Cortisol um. Und hier versagt der reine Sport: Dauerstress lässt sich durch körperliche Aktivität allein nicht wegbrennen. Schlimmer noch: Wer chronisch erschöpft ist und sich im Zustand der Cortisol-Überlastung noch zu Höchstleistungen im Fitnessstudio oder beim Joggen zwingt, setzt den Körper nur noch weiter unter Druck und befeuert die Erschöpfungsspirale.
Die Lösung: Eine andere Herangehensweise
Dauerstress erfordert ein grundlegendes Umdenken. Da die Ursache in einer permanenten Aktivierung des Nervensystems liegt, muss die Regulation tiefer ansetzen als auf der reinen Bewegungsebene. Wir müssen dem Körper auf biologischer, emotionaler und mentaler Ebene beweisen, dass die Gefahr vorüber ist, damit das parasympathische Nervensystem (unser Ruhe- und Regenerationsnerv) wieder die Regie übernehmen kann.
In meiner Praxis GOLDGRUND biete ich genau diese integrative Herangehensweise an. Wir spüren die chronischen Stressauslöser auf, durchbrechen die neurobiologische Cortisol-Schleife und etablieren wirksame Strategien zur Nervensystem-Regulation, die Ihre persönliche Handlungsfähigkeit und innere Struktur nachhaltig wiederherstellen.
Haben Sie auch das Gefühl, dass Ihnen klassische Entspannungstipps bei anhaltendem Stress nicht mehr weiterhelfen? Lassen Sie uns gemeinsam hinschauen. Informationen zu meinen Beratungs- und Therapieangeboten finden Sie auf www.goldgrund-consulting.com.
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Liebe Isabelle, vielen Dank für die klare Aufschlüsselung zwischen akutem/kurzfristigen Stress und Dauerstress. Der Hinweis, dass für diese beiden Arten von Stress unterschiedliche Vorgehensweisen zur Behebung notwendig sind wird häufig vergessen oder gar verdrängt. Meiner Meinung nach hat dies viel damit zu tun, das wir uns bei dem Dauerstress mit uns selbst auseinandersetzen und uns ehrlich betrachten müssten um die Ursachen zu benennen und Veränderungsansätze zu finden.
Liebe Martina, danke für Deinen Kommentar! Da bin ich ganz bei Dir - man muss sich damit beschäftigen, denn in der Regel hat der Dauerstress ja nicht nur etwas mit dem "Außen" zu tun. Es geht um die Bewusstmachung der Gedanken und dazugehörigen Gefühle, die einen in Stress versetzen - nur echte Bewusstheit und Achtsamkeit mit sich selbst erlauben dann am Ende entweder echte Akzeptanz - oder eben die Veränderung der Dinge, die man verändern kann.